Ich habe Autismus vs. Ich bin Autistin

Hallo meine Liebe!

Ist bei dir der Verdacht aufgekommen, dass du Autistin sein könntest? Oder hast du deine Diagnose gerade erhalten?
Vielleicht hast du deine Diagnose auch schon etwas länger …

Dann möchte ich dich auf eine Kleinigkeit aufmerksam machen, wie du über deine Diagnose in Zukunft sprechen kannst.

Denn die Art und Weise wie du über dein Autismus sprichst, kann dir auch ganz viel über dich und deine Beziehung zu dieser Diagnose verraten.
Nein, nein, das wird hier jetzt kein Beziehungsratgeber – keine Sorge – viel mehr ein Aufmerksam machen über deine Sprachgewohnheiten.

Aber ich möchte ein bisschen aus meinem eigenen Nähkästchen erzählen …

Denn meine eigene Autismus Diagnose habe ich 2018 erhalten im Alter von 30 Jahren. In vielen Dingen hat mir dieses Wissen, dass ich diese Diagnose nun habe, unglaublich geholfen. Ich weiss dadurch endlich, was meine Stärken sind. Meine Schwächen lerne ich immer besser zu akzeptieren und wie ich mit diesen umgehen kann.

Dennoch merke ich immer wieder, dass es Momente gibt, bei denen ich an meiner eigenen Akzeptanz gegenüber meiner autistischen Wahrnehmung arbeiten muss. Das kommt bei mir meistens dann vor, wenn es mir nicht so gut geht und ich beispielsweise in einem Overload, Meltdown oder Shutdown stecke.

Dann passiert es mir so schnell, dass ich versuche meinen Autismus von mir abzuspalten. Dabei ist dieser ja fest mit meiner Persönlichkeit verdrahtet.

Woran kannst du das beispielsweise merken?

Unterschied zwischen Identity First Language und Person First Language

Nun, es ist ein Unterschied, ob ich sage „Ich BIN Autistin“ (= Identity First Language) oder „Ich HABE Autismus“ (= Person First Language).

Hier erst mal eine kurze Erklärung, was diese beide Varianten unterscheidet:

Die „Identity First Language“ wird von Menschen, die die erste Sprache der Identität wählen, bevorzugt. Denn es geht dabei darum sich selbst zu „bestärken“. Denn Autismus ist nichts, wofür man sich schämen muss.

Die „Person First Language“ erkennt die Wahl, dass ein Mensch in erster Linie eine Person ist und eine Störung hat, aber diese Störung definiert sie nicht.

Für mich ist es eigentlich eine leichte Wahl welche Art der Sprache ich bevorzuge. Denn ich möchte dir die Stärken und Potenziale einer Autismus-Spektrum-Störung aufzeigen.

Aber Achtung, auch ich habe die Momente, bei denen mir die autistische Wahrnehmung zu viel ist, wenn gerade der ichweisnichtwievielte Overload in einer Woche aufgetreten ist. Dann fällt es mir selbst schwer, die Situation zu akzeptieren wie sie ist. Oder meine Stärken, die ich auch gerade durch meinen Autismus habe, anzuerkennen.

Dann kann es auch vorkommen, dass ich für mich persönlich in die Person First Language Variante rutsche und das ganze als eine Störung ansehe. Ja, diese Momente gibt es und ich denke, das ist etwas ganz Natürliches.

Was ich dir damit sagen möchte?

Ich möchte dich nur darauf aufmerksam machen, dass es ebendiese Varianten gibt und was sie für dich bedeuten können. Vor allem wie du dich selbst als Ganzes anerkennst. Ich weiss, du kannst aus diesem Artikel heraushören, was ich bevorzuge. Das bedeutet aber nicht, dass ich dich bekehren möchte nur noch die eine Variante zu verwenden.

Achtung – das ist jetzt ganz wichtig:

Du wirst dennoch im www oder im realen Leben immer wieder Menschen begegnen, die dir sagen werden, dass es nur die eine richtige Betrachtungsweise gibt. Dabei kommt es auf den Standpunkt deines Gegenübers an, wie er oder sie die Autismus-Spektrum-Störung anerkennt. Entweder das Autismus ein Teil der Persönlichkeit ist, oder eben eine Störung darstellt, die aber nicht die eigentliche Person definiert.

Alternativ gibt es noch die Gruppe Menschen, die sagen, dass es ihnen egal ist. Hauptsache sie wissen, was sie für eine Diagnose haben. Andere wiederum wechseln zwischen beiden Varianten nach Belieben hin und her.

Bereite dich einfach mental darauf vor, wenn du dich für eine Variante entscheidest, dass es Menschen geben kann, die versuchen werden, dich vom Gegenteil zu überzeugen.

Du hast dann verschiedene Möglichkeiten, wie du darauf reagieren kannst:

  • Du kannst das Ganze ausdiskutieren, da empfehle ich dir, dich im Vorfeld gut vorzubereiten. Lege dir unbedingt pro und kontra Argumente für alle Varianten parat.
  • Oder du kannst das Ganze aussitzen und warten bis dein Gegenüber fertig mit seiner oder ihrer Rede ist. Dann kannst du das einfach ignorieren und für dich ganz normal weiter machen.
  • Oder du machst deinen Standpunkt klar und setzt anschliessend eine Grenze, dass du darüber nicht weiter diskutieren möchtest. Das hat dein Gegenüber dann zu respektieren.

Letztendlich ist es deine Entscheidung mit welcher Variante du dich wohler fühlst oder was für dich passender ist. Wie gesagt, dass kann sich je nach deiner momentanen Situation ändern oder deine Sichtweise kann sich im Laufe der Zeit auch verändern.

Es kann genauso gut passieren, dass du im Gespräch nicht an diese Definitionen denkst und dann unbewusst eine andere Variante als üblich wählst. Nur so am Rande das ist total menschlich und kann passieren.

Ich möchte dir mit diesem Beitrag einfach ein kleinen Stupser geben, dich mit deiner Diagnose weiter auseinanderzusetzen. Dich selbst zu hinterfragen, was diese Diagnose mit dir macht. Vor allem, wie du in deinem Leben mit dieser umgehst.

Das fängt mit deiner Wortwahl an.

Jetzt möchte ich dir gern noch eine kleine Aufgabe mitgeben, genauer gesagt, achte mal in nächster Zeit darauf, wie andere über ihren Autismus sprechen. Sei es, wenn du in einer Selbsthilfegruppe bist, in den sozialen Medien oder in Autismus Foren etc. Es gibt ja zum Glück einige Möglichkeiten, wie du dich mit anderen Betroffenen austauschen kannst.

Beobachte einfach mal ganz genau wie andere über ihren Autismus sprechen. Welche Begriffe verwenden sie häufig? Was liest du aus ihren Aussagen heraus? Vor allem was kannst du für dich Positives davon mitnehmen?

Oder findest du sogar jemanden, wo du sagst „Wow, das ist eine tolle Einstellung – so möchte ich mit meiner Diagnose und mir in Zukunft auch umgehen können“.

Bitte bedenke dabei, jede von uns befindet sich auf einem anderen Abschnitt ihres Weges mit dieser Diagnose zu gehen.

Es gibt kein falsch oder richtig

Es ist einfach nur wichtig, dass du deinen eigenen Weg für dich findest, der für dich passend ist. Du bist aber nicht allein damit.

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Danke dir! Merci vielmals! Thank you so much!

Ich habe Autismus vs. Ich bin Autistin
Geschrieben von
pinkspektrum

Herzlich willkommen in meinem Spektrum!
Ich bin Nicole und ich habe mit 30 Jahren erfahren, dass ich Autistin bin. Viiiiiiel zu spät! Daher möchte ich nun über Autismus-Spektrum-Störungen aufklären und vor allem darüber aufklären das auch Frauen betroffen sein können.

Hast du jetzt noch Fragen? Dann schreib mir gern einen Kommentar!

2 Kommentare
  • Spannende Folge. Ich formuliere meist noch anders: «Ich habe eine Autismus-Diagnose» oder «Ich bin seit … mit Autismus diagnostiziert. Das gibt mir genügend Abstand, um mich nicht unnötig stark über den Autismus zu definieren.

    • Hallo 👋
      du weisst es wahrscheinlich nicht, aber du hast den ersten Kommentar auf meiner neu gelaunchten Website geschrieben 🥳
      Danke dir dafür und danke, dass du deinen Umgang mit deiner Diagnose teilst.
      Herzliche Grüsse
      Nicole

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